Dein Körper - eine Liebe mit Hindernissen

Warum wir nicht lebendig und glücklich sein können, wenn wir unseren Körper nicht lieben

Unser Körper ist unsere Heimat –

doch die meisten von uns leben mit ihm im Krieg

Unsere Gesellschaft führt einen Krieg mit der Körperlichkeit. Schon seit Beginn der Kirchengeschichte ist der Körper zum Feind erklärt worden. Es gibt kaum jemand, der oder die nicht Opfer dieses Krieges geworden ist.

Heute ist dieser Krieg gegen den Körper (ich nenne es bewusst provokativ so) eine Spur subtiler, aber dennoch vorhanden. Die meisten Menschen fühlen ihren eigenen Körper im Alltag kaum und finden ihn oft hässlich. Wir haben gelernt, dass unser Kopf und Verstand wichtig sind und nicht unsere Körperlichkeit. Bewusstsein ist wichtig, nicht Lust, Freude und Sinnlichkeit. Seit Descartes heißt es „Ich denke, also bin ich“.

Hier manifestierte sich im 17. Jahrhundert die endgültige Spaltung von Geist und Körperlichkeit. Heute gibt es zwar hohe Ansprüche an unsere  Erscheinung: wir müssen schlank sein, wir sollen sportlich und gesund sein und „gut“ aussehen (was immer das heißen mag), aber unser Leib wird kaum als Teil des eigenen Seins wahrgenommen. Wir sagen: ich habe einen Körper. Eigentlich müsste es heißen: ich bin ein Körper. Der Verstand sieht sich nicht mehr als Teil des Körpers und so ist eine tiefe Abspaltung entstanden.

Wir nehmen alles unterhalb des Kopfes eher wie Schmuck wahr, aber nicht als Basis unseres Seins und unseres Lebens. Für Frauen lohnt es sich den Film „Embrace“ zu schauen, in dem die Abwertung des Körpers sehr deutlich und fast schmerzhaft wahrnehmbar wird. Kaum eine Frau und inzwischen auch weniger Männer schaffen es sich im Spiegel anzuschauen und freundliche Gedanken zu haben, schon gar nicht, wenn sie sich nackt anschauen.

„Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.
David Hume

Ich sehe es als einer unserer größten Aufgaben wieder körperliche Wesen zu werden, die in sich eine Heimat finden und sich wohl fühlen in ihrer eigenen Haut. Unser Körper ist unsere Heimat und ohne ihn sind wir tot. Spüren wir im Alltag unseren Körper nicht mehr, so verlieren wir den Zugang zu unseren Gefühlen und letztlich zu unsere Seele. Wir verlieren den Kontakt zu uns selbst und merken dann leider oft auch nicht, wie gestresst wir sind oder können nicht mehr wahrnehmen, was uns wirklich gut tut oder was uns schadet.

Unser Körper lebt im Hier und Jetzt. Sind wir körperlich in Spiel, Freude oder Sinnlichkeit engagiert, verlieren wir das Gefühl von Raum und Zeit. Wir treten ein in einen Zustand, der Flow genannt wird. Unser Ich löst sich auf in dem, was wir tun. Gerade durch körperliches Erleben können wir durch die Tür des Flow treten und uns genießen im Hier und Jetzt. Der Körper ist das „Tier“ in uns. Unser Körper ist viel älter als wir selbst und der Hüter einer ursprünglichen Verbindung zum Leben. Wollen wir dem Leben und der Lebendigkeit näher kommen, so wird dies nur über die Verbindung und Wertschätzung unseres Körpers möglich sein.

Unsere Körperlichkeit wirkt auf unsere Psyche und unser Lebensgefühl und dies ist im Körper lesbar und sichtbar. Als Körperpsychotherapeutin sehe ich die Geschichte und das Lebensgefühl eines Menschen in dessen Körper und der Körper lügt nie.

Unser Körper ist unser zu Hause in diesem Leben und wir werden mit ihm alt werden und sterben, ob wir wollen oder nicht. Das Leben wird sehr viel schöner, wenn wir dieses zu Hause lieben und pflegen und ihm so viel Aufmerksamkeit und Liebe schenken, wie wir es auch mit unseren Wohnungen machen.

 

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