Depression - stilles Leiden

Warum Depression oft falsch diagnostiziert wird

Depressionen – ein anderer Blick

Depression ist inzwischen so weit verbreitet, dass sie als Volkskrankheit bezeichnet wird. In Deutschland sind etwa 5% der Bevölkerung betroffen, das bedeutet etwa vier Millionen Deutsche leiden unter dieser Krankheit.

Nun muss man allerdings auch feststellen, dass die Pharmaindustrie an der Diagnosestellung Depression Milliarden verdient. Jeder Hausarzt verschreibt inzwischen Antidepressiva. Bei unseren französischen Nachbarn ist die Einnahme von Antidepressiva inzwischen so häufig, dass die Inhaltsstoffe bereits im Grundwasser nachweisbar sind. Deshalb solltest du dich, wenn du betroffen bist, genau informieren, ob es nicht noch andere Erklärungsmodelle für deinen Zustand gibt, die andere Behandlungswege eröffnen. Ich versuche, einige davon in diesem Artikel zu erläutern.

Was ist eine Depression?

 

Laut ICD10, dem aktuellen Leithandbuch für psychische Störungen, bezeichnet man die Depression als einen Zustand, der psychische Niedergeschlagenheit als Leitsymptom hat. Der Begriff leitet sich aus dem lateinischen deprimere ‚niederdrücken‘ ab. In der Psychiatrie wird die Depression den affektiven Störungen zugeordnet. Das ICD 10 nennt die häufigsten Formen der Depression: depressive Episode oder rezidivierende (wiederkehrende) depressive Störung. Die Diagnose wird nach Symptomen und Verlauf gestellt (nach ICD10 und Wikipedia).

 

Welche Symptome gehen mit einer Depression einher?

 

Eines der deutlichsten Zeichen einer Depression ist die sogenannte Stimmungseinengung. Menschen haben das Gefühl, nicht mehr wirklich fühlen zu können. Dabei geht ihnen sowohl die Fähigkeit zu trauern als auch zum Glücklichsein verloren. Das Leben fühlt sich leer an. Dies löst meist eine tiefe Sinnkrise aus, da Menschen sich abgeschnitten und einsam fühlen.

Aus diesem Grund denken viele Betroffene auch über Selbstmord nach. Manchmal ist der einzige Grund, diesen nicht auszuführen, die meist mit der Depression einhergehende Antriebslosigkeit. Diese in der Fachsprache Antriebshemmung genannte Erscheinung ist oft begleitet von innerer Unruhe, die allerdings keinen äußeren Ausdruck findet und so weiter zum inneren Leiden beiträgt.

Depressionen sind das berüchtigte ›Schwarze Loch‹,
das alle Freude, jedes Glück verschlingt.
Birgit Ramlow

Die klassische Behandlung einer Depression

Gehen Menschen mit den genannten Symptomen zu einem Arzt, so werden sie häufig als depressiv diagnostiziert. In vielen Fällen werden ihnen dann Antidepressiva verschrieben oder eine Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie. Ein hier häufig verschriebenes Verfahren ist die Verhaltenstherapie, in der Menschen lernen sollen, anders mit sich umzugehen und die Grübelschleifen zu unterbrechen.

Eine andere Betrachtungsweise depressiver Symptome

In meiner Praxis habe ich oft Menschen vor mir, die bereits auf Depression behandelt worden sind und leider keine signifikante Linderung ihrer Symptome erfahren haben. Ich persönlich denke, dass einige Menschen mit der Diagnose Depression falsch diagnostiziert worden sind. Es gibt nämlich noch andere Möglichkeiten, warum diese Symptome auftauchen können und die eines vollkommen anderen Behandlungsansatz bedürfen (wie wir ihn z.B. in unserer Prozessgruppe verfolgen). Ich möchte hier darlegen, welche anderen Betrachtungsweisen es gibt!


Depression als Folge von traumatischen Erfahrungen oder chronischem Stress

Schauen wir uns einmal an, was bei chronischem Stress im Körper geschieht:

Anhaltender Stress führt zu einer Dauerstimulation der körpereigenen Stressachse und zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen. Interessanterweise lässt sich bei depressiven Menschen vermehrt Cortisol in Blut und Urin nachweisen. Cortisol ist eines der Hauptstresshormone des Körpers.

Bemerkenswert daran ist, dass man bei einer antriebsschwachen und niedergeschlagenen Person von außen nie darauf käme, dass dieser Mensch nun besonders gestresst ist. Normalerweise werden Stresshormone im Körper ausgeschüttet, um den Kampf- und Fluchtreflex auszulösen, d.h., damit wir in Aktion gehen können.

Der Totstellreflex – ein Ausweg?

Allerdings lassen sich auch Stresshormone im Körper nachweisen, wenn ein Mensch in den sogenannten Totstellreflex fällt und so vollkommen inaktiv von außen wirkt. Dieses Aufgeben/Tot stellen ist der letzte Ausweg für Menschen, um in einer überwältigenden Situation zu reagieren. Evolutionär gesehen ist dies der am wenigsten anzustrebende Umgang mit einer starken Stresssituation, da diese für den Körper am schädlichsten ist und die stärksten psychischen Nebenwirkungen für uns hat. Dennoch ist in manchen Situationen die Überwältigung so stark, dass kein anderer Ausweg mehr bleibt.

Die Nebenwirkungen dieses „Totstellens“, um nur einige zu nennen, können sein: Emotionale Taubheit, innere Unruhe, Schlafstörungen, ein In-sich-gefangen-sein und Abgeschnitten fühlen von anderen, innere Sinnlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Angstzustände, Gedächtnisstörungen, Wutanfälle u.a. (hierzu findest du umfangreiche Informationen auf meiner Website www.traumaheilung.de). Spätestens hier fällt die starke Ähnlichkeit der Symptome auf und daher meine Beweggründe für diesen Artikel.

Auch Ereignisse, die lang anhaltend und für Menschen unlösbar erscheinen, führen häufig zu emotionalem Dauerstress und langfristig zu einem Gefühl von Hilflosigkeit und innerer Aufgabe. Mit dem Andauern der Situation scheint es immer weniger Optionen für Auswege zu geben, was wiederum zu einem Teufelskreis von innerer Unruhe und Antriebslosigkeit führen kann.

 

Welche Ursachen noch für Depression in Frage kommen

  • Erlernte Hilflosigkeit: Martin Seligman hat den Begriff der erlernten Hilflosigkeit geprägt. Man versteht darunter, dass Menschen gelernt haben, dass sie Dinge nicht kontrollieren können und es sich deshalb gar nicht lohnt, es zu versuchen. Man könnte sagen, dass erlernte Hilflosigkeit das Gegenteil von Selbstwirksamkeitsgefühlen ist. Häufig ist erlernte Hilflosigkeit das Ergebnis frühkindlicher Erfahrung, traumatischer Erlebnisse oder lang anhaltendem Stress, den die Person nicht beeinflussen kann.
  • Denkmuster als Ursache: Jeder Mensch hat sich im Laufe seiner Entwicklung bestimmte Denkmuster angeeignet, und obwohl wir diese jeden Tag und ständig benutzen und diese unser Erleben hochgradig beeinflussen, sind sie fast immer unbewusst. Man spricht von kognitiven Schemata oder inneren Überzeugungen, wie die Welt funktioniert. Diese Schemata werden wieder in der frühen Kindheit gebildet und sind sehr konsistent – also schwer zu verändern und sehr stabil.
  • Je negativer unsere Erwartungen sind – also unsere kognitiven Schemata – desto mehr verzerrt sich die Wahrnehmung unserer Lebenswelt ins Negative und setzt eine negative Feed-back-Schleife in Gang, die leider meistens bestätigt, was ein Mensch erwartet. Diese Schemata haben einen Einfluss auf unsere Wahrnehmung und darauf, wohin sich die Aufmerksamkeit richtet. Dies führt meist zu einer Verzerrung der Realität, die aber nicht als Verzerrung wahrgenommen wird. Leider sind wir ja alle überzeugt, dass wir die Realität richtig wahrnehmen. Der erste Schritt hinaus ist die eigene Wahrnehmung öfter mal anzuzweifeln und zu überlegen, was für Interpretationsmöglichkeiten es wohl noch für die selbe Situation geben könnte, nach dem Motto: don´t belief everything you think.
  • Kontakt und Kontaktfähigkeit: Die Fähigkeit, sich mit anderen Menschen zu verbinden und verbunden zu fühlen, ist eine starke Ressource gegen Depression. Leider ist es in unserer Gesellschaft gar nicht mehr so normal und fällt es vielen Menschen nicht mehr so leicht, sich mit anderen in einen echten Kontakt zu begeben. Kontakt reguliert unsere Gefühlszustände zum Positiven, und auch stressige Zustände oder Ereignisse sind in Verbindung mit anderen viel besser auszuhalten oder zu bewältigen. Deshalb ist Kontakt eines unserer Hauptthemen in unserer Gruppe. Ebenso kann über Kontakt die Fähigkeit zur Selbstregulation gestärkt und verbessert werden, sodass man auch in Zeiten, in denen man alleine ist, mehr Stabilität und Freude haben kann.

 

Depression muss also nicht gleich Depression sein und es lohnt sich vielleicht für dich, nach alternativen Möglichkeiten zu suchen, um deinen Zustand zu verbessern. In unserer Gruppe Lebensprozesse ist die Verbesserung der Selbstregulation eines der zentralen Leitthemen. Wir sehen diese als Kernthema für viele psychische wie auch für einige körperliche Symptome. Möchtest du mehr Informationen, kannst du uns gerne eine E-Mail senden oder direkt anrufen. Dann können wir besprechen, ob diese Gruppe etwas für dich sein könnte.

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