Einsamkeit - der stille Schmerz

Einsam können Menschen auch mitten unter Menschen sein

Einsamkeit – der stille Schmerz

Einsamkeit ist die „Krankheit“ unserer Zeit und es gibt inzwischen einige Forscher, die Einsamkeit als die Grundlage von Depression, Angst und Schmerz sehen. Dem stimme ich schon lange zu. Einsamkeit ist inzwischen so häufig, dass es in Groß Britannien eine Einsamkeitsministerin gibt. Ich wollte es erst nicht glauben, es ist aber wahr!

Vor kurzem war eine Reporterin von 3Sat bei mir und wollte ein Interview zum Thema Einsamkeit. Für mich war spannend, wie sehr unser Blick für Einsamkeit noch auf den äußeren Umständen liegt, die Menschen einsam machen könnten. Es war kaum zu vermitteln, dass Menschen auch einsam sein können, wenn andere Menschen anwesend oder die Lebensumstände „in Ordnung“ sind.

Einsamkeit kann natürlich durch veränderte Lebensumstände entstehen und uns schwer zu schaffen machen. Freunde, die weg ziehen. Eine Trennung. Ein Umzug in eine andere fremde Stadt. Ein neuer Job oder Arbeitslosigkeit und andere Faktoren können dazu führen, dass wir uns auf einmal einsam fühlen.

Dennoch können wir hier sehen, wie unterschiedlich sich Menschen unter diesen Umständen fühlen und wie unterschiedlich sie damit umgehen. Die einen gehen die veränderten Umstände aktiv an und erstellen einen Plan, wie und wo sie neue Leute kennenlernen können und die anderen verharren in stiller Verzweiflung und trauern dem Vergangenen nach.

Es gibt aber auch Menschen, bei denen alles in Ordnung erscheint und die sich dennoch einsam fühlen. Einsamkeit ist zu großen Teilen ein inneres Gefühl und kann vollkommen abgekoppelt zum gelebten Alltag sein. Viele Menschen fühlen sich einsam, wenn sie unter Menschen sind. Gerade dort wird ihre innere Einsamkeit deutlicher.

Woher kommt diese Einsamkeit?

Einsamkeit ist Ausdruck einer inneren Unverbundenheit, einer inneren Heimatlosigkeit, die in den meisten Fällen ihre Wurzeln schon vor oder kurz nach der Geburt hat. Dies mag „spooky“ oder unwahrscheinlich klingen, dennoch gibt es zunehmend Beweise für diese These und ich kann dies durch meine jahrelange Arbeit mit Menschen bestätigen.

Einsame Menschen leiden fürchterlich an Erinnerungen.
F.W. Nietzsche

Kommen Menschen auf die Welt und waren nicht erwünscht oder haben sofort eine Trennung von der Mutter erlebt, sei es aus medizinischen oder psychischen Gründen, so bleibt meist ein inneres Gefühl von „ich bin nicht in Ordnung“ und tiefer Verlassenheit zurück. Das Lebensgefühl von Menschen, die als Kinder nicht willkommen geheißen wurden, die Ablehnung, elterlichen Stress und Überforderung, Allein sein und Schreien lassen, erfahren haben, ist sehr spezifisch. In meinem Buch „Auch frühe Wunden können heilen“ beschreibe ich dieses Lebensgefühl sehr ausführlich.

Diese frühen Verletzungen prägen, wie wir die Welt und uns selbst sehen und wahrnehmen. Viele Menschen fühlen sich einsam und erleben sich wie durch eine Glaswand von anderen getrennt zu sein. Sie haben das Gefühl irgendwie anders zu sein und sind oft sehr verkopft und rational. Dadurch, dass ihnen häufig der Zugang zu ihren Gefühlen und ihrem Körper fehlt, gestalten sich Beziehungen oft schwierig.

Einsamkeit entsteht durch verlorene Verbindung:

  • Verbindung zu anderen Menschen
  • Verbindung in einer Gemeinschaft
  • Verbindung zum eigenen Körper
  • Verbindung zu den eigenen Gefühlen
  • Verbindung zu den eigenen Bedürfnissen

Wieder Verbindung aufzubauen und neu zu lernen, hilft Menschen sich nicht mehr einsam zu fühlen. Dies würde dazu führen, dass viele psychische Krankheiten zurück gehen würden, Menschen weniger Schmerzen haben und mehr Freude entwickeln, sich einzubringen und mit ihrem Potential die Welt zu verbessern. Wir können alle nur gewinnen, wenn wir die Einsamkeit in unserer Gesellschaft verringern.

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