Liebe und Beziehung

Wie eine gute Beziehung gelingen kann

Liebe und Partnerschaft – was sie prägt und wie sie gelingen kann

Die Art und Weise, wie du heute deine Beziehung lebst und wie glücklich oder unglücklich sie sind, liegt am Umgang deiner Eltern mit dir in deinem ersten Lebensjahr… Das mag befremdlich klingen, vor allem da wir uns an diese Zeit nicht erinnern können, dennoch ist es wahr.

Die Bindungs- und Paarforschung hat in den letzten Jahre endlich mehr Beachtung bekommen. Viele Zusammenhänge unserer frühesten Jahre und unserer Beziehungen als Erwachsene sind sehr viel klarer und deutlicher geworden.

Bereits vor unserer Geburt bilden wir Erinnerungen (ab dem 3. Schwangerschaftsmonat). Diese Erinnerungen sind implizit, das bedeutet, dass sie unser Verhalten und Fühlen prägen, uns aber nicht bewusst sind. Im Gegensatz dazu sind explizite Erinnerungen solche, die du genau beschreiben kannst. Die meisten unserer Prägungen und Erfahrungen schlagen sich als implizite Erinnerungen in unserem Leben nieder und es nicht vermessen zu sagen, dass sie den Lauf unseres täglichen Lebens bestimmen.

Direkt nach der Geburt sucht das Kind die Anbindung an die Mutter. Lässt man das Baby nach der Geburt einfach auf dem Bauch von Mama liegen, so wird es sich nach kurzer Erholung in Richtung Norden zur Brust bewegen. Diesen Prozess nennt man Selbstanbindung. In dem Moment, in dem das Kind bei der Brust ankommt, sucht es den Blickkontakt von Mama und im besten Falle verlieben sich beide ineinander.

Liebe ist der Entschluss das Ganze eines Menschen zu bejahen,
die Einzelheiten mögen sein, wie sie wollen.

Otto Flake

Ist die Mutter und auch der Vater präsent, zugewandt, liebevoll und fähig auf das Kind einzugehen und für es da zu sein, dann fühlt sich das Kind gewollt, sicher und versorgt. Vor allem die stetige Präsenz der Eltern ist ein wichtiger Faktor für diese Sicherheit. Sind die Eltern berechenbar und zugänglich, so wird ein sicheres Bindungsmuster entstehen. Das gilt auch für andere Bezugspersonen.

Im späteren Leben haben diese Menschen ein gutes Gefühl zu sich selbst. Sie fühlen, dass das Leben einen Sinn hat und sie einen Wert haben – ohne dafür arbeiten zu müssen. Sicher gebundene Menschen empfinden die Welt als einen sicheren Ort und andere Menschen ihnen im Großen und Ganzen wohlgesonnen sind.

Bist du sicher gebunden aufgewachsen, so fühlst du dich in Beziehungen sicher verbunden und kannst sowohl gut alleine sein als auch nahe und intime Begegnungen herbeiführen und genießen. Es gibt kein Bedürfnis, die andere Person zu kontrollieren und auch keine beständige Angst den Partner zu verlieren. Ebenso kannst du Konflikte an- und besprechen, ohne Angst zu haben.

Nur unsicher gebundene Menschen brauchen beständige Harmonie als Sicherheit und erleben Disharmonie als Bedrohung.

Für viele von uns hört sich das eher an, wie eine Geschichte aus dem Märchenbuch als aus dem Leben. Viele Menschen haben unsichere Bindungsmuster und dadurch Stress sich auf Nähe einzulassen oder können Distanz kaum ertragen.

Da eine Partnerschaft ja aus zwei Personen besteht, treffen u.U. zwei unsichere Bindungsmuster aufeinander und triggern sich gegenseitig an. Dies kann zu mehr Wachstum und Bewusstsein führen oder zu Konflikten, die kaum noch lösbar und sehr frustrierend und kräftezehrend für beide Partner sind. Diese Bindungsmuster sind übrigens sehr viel wichtiger und ausschlaggebender für eine Beziehung als das Geschlecht einer Person oder ob die Beziehung hetero- homosexuell oder lesbisch gelebt wird.

„Liebe ist nicht das, was man erwartet zu bekommen, sondern das was man bereit ist zu geben“.
Katharina Hepburn

Eine Partnerschaft beginnt damit, verliebt zu sein, doch kann sie nur wachsen und Stabilität gewinnen, wenn beide Partner ihre wichtigsten Bedürfnisse in der Beziehung erfüllt bekommen. Ich weiß, dass es in Selbsthilfekreisen inzwischen in ist, zu glauben, dass wir uns letztendlich all unsere Bedürfnisse selbst geben können müssen. Mit Verlaub gesagt halte ich das für Unsinn. Es gibt Bedürfnisse, die wir uns einfach nicht selbst erfüllen können. Es ist eine Illusion zu glauben, dass wir immer ganz autonom für uns selbst sorgen könnten. Menschen sind auf Kontakt, Verbindung und Gemeinschaft geprägt. Es ist heute möglich per MRT und anderen Verfahren nachzuweisen, dass selbst unsere Nervensysteme, unser Atem und unser Herz- und Hirnströme sich bei Kontakt verbinden und synchronisieren.

In einer Partnerschaft gibt es Bedürfnisse, die wir gerne erfüllt haben möchten und es gibt Bedürfnisse, die wir unbedingt erfüllt haben müssen. Bedürfnisse, die sozusagen nicht verhandelbar sind. Kurz noch ein Satz zum Verständnis von Bedürfnissen: Bedürfnisse sind innere Motivatoren, sie erzeugen Gefühle, die angenehm (bei erfüllten Bedürfnissen) oder unangenehm (bei unerfüllten Bedürfnissen) sind. Bedürfnisse sind Dinge, wie Ruhe, Entspannung, Sicherheit, Kontakt, Kreativität und vieles mehr.

Ein Bedürfnis kann nie direkt erfüllt werden, sondern jeder Mensch hat spezifische persönliche Strategien, wie er/sie sich dieses Bedürfnis erfüllt. Das Bedürfnis nach Ruhe erfüllt sich der eine, in dem er sich zurückzieht und liest und die andere, in dem sie im Wald spazieren geht. Das Bedürfnis nach Entspannung erfüllt sich der eine, in dem er Sport macht und die andere, in dem sie in die Sauna geht. Das Bedürfnis ist dasselbe, die Strategie kann sehr unterschiedlich sein (hier entstehen oft Konflikte).

Zurück also zu den nicht-verhandelbaren Bedürfnissen. Es kann sein, dass du es schön findest, mit deinem Partner entspannende Dinge zu machen, aber das würdest du auch mit einer Freundin tun. Andererseits willst du unbedingt das, was dich beschäftigt mit deinem Partner besprechen können, du hast also das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Zeit und Zuwendung. Die Strategie, um dies zu bekommen, ist für dich ein langes Gespräch beim Spazieren gehen oder beim Frühstück. Fällt dies länger weg, fängst du an, dich nicht mehr so verbunden zu fühlen. Du bekommst Gedanken wie: andere Dinge scheinen für sie wichtiger zu sein oder du fragst dich „liebt er mich noch, wie am Anfang?“. Leise Zweifel schleichen sich ein und eine leichte Unzufriedenheit entsteht.

Das Problem – wenn existentielle Bedürfnisse von uns nicht mehr befriedigt werden – ist, dass wir langsam beginnen auch bei anderen Dingen kritischer zu werden oder sie in einem anderen Licht zu sehen. Dies kann mit der Zeit zu einer Eskalation führen, bei der manchmal beide Partner nicht verstehen, was eigentlich los ist oder wie sie an den Punkt gekommen sind.

„Liebe ist die stärkste Macht der Welt, und doch ist sie die demütigste, die man sich vorstellen kann.“
Mahatma Gandhi

Eine Beziehung zu beginnen ist leicht. Sie über lange Zeit glücklich zu führen ist wesentlich schwerer. Eine Beziehung macht das Tor zu uns selbst weit auf und wir lernen uns auf eine Weise kennen, die uns alleine kaum möglich ist.
Deshalb ist es wichtig dir deiner Selbst bewusst zu sein und auch um deine Geschichte zu wissen. In Beziehungen reagieren wir sehr stark auf alte Verletzungen und in alten Mustern. Unsere Partner triggern diese Erinnerungen lediglich an. Je besser wir unseren Keller (also unsere Geschichte) aufgeräumt und integriert haben, desto glücklicher werden auch unsere Liebesbeziehungen sein.

Noch ein Wort zum Schluss, das mir am Herzen liegt.

Beziehungen können enden. Menschen machen Fehler oder Dinge, die uns verletzen. Lerne zu unterscheiden, wo dich jemand mit voller Absicht verletzen will oder wo dich Entscheidungen, die jemand für sich trifft in seinen Auswirkungen verletzen. Niemand von uns geht durchs Leben, ohne andere Menschen zu verletzen. Niemand.

Geht eine Beziehung zu Ende – und manchmal ist es sinnvoll eine Beziehung zu beenden, dann verteufele die Person nicht, die du einst geliebt hast. Achte und respektiere die Liebe, die ihr einmal geteilt habt. Verteufelst du jede Person, die du einmal geliebt hast, dann hast du am Ende deines Lebens nur ein Haufen Müll und Bitterkeit. Tu dir das nicht an.

„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen“.
Albert Schweitzer

 

"Mensch Sein"

Der Kurs, der dich monatlich erinnert, was wichtig ist
Hier mehr Infos
Share This