Schmerzen

warum Schmerzen nicht immer körperliche Ursachen haben

Schmerzen – was sind eigentlich Schmerzen?

Ein jeder kennt ihn, der/die eine mehr, der/die andere weniger. Manchmal kommt er wie aus dem Nichts, manchmal bahnt er sich an und manches Mal werden wir ihn auch nicht wieder los.


Die Weltschmerzorganisation International Association for the Study of Pain (IASP) definiert Schmerzen als „ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.“

Schmerz ist ein untrügerisches Warnsignal im Körper, das etwas nicht in Ordnung ist. Er geht mit einer Gewebeschädigung einher, z.B. mit einer Rötung, mit Schwellungen, mit Verletzungen aller Art.

Bei einem Beinbruch z.B. ist der Schmerz akut und hat eine eindeutige Ursache. Auch wenn ich mich geschnitten habe, weiß ich, woher die Schmerzen kommen.

Anders ist es, wenn sich Schmerzen chronifizieren.


Unterscheidung akuter/chronischer Schmerz

 

Wenn ich gestürzt bin und mir eine Prellung zugezogen habe ist dies genauso ein akuter Schmerz wie das gebrochene Bein. Einzig das Ausmaß der Intensität ist unterschiedlich (ein Beinbruch schmerzt deutlich mehr….).

Aber Fakt ist, wenn die Ursache behoben ist, ist der Schmerz wieder rückläufig.

Das wird seine Zeit dauern, aber der Schmerz wird verschwinden.

Anders ist das bei chronifizierten Schmerzen.

Er kann durchaus auch Folge von Gewebeschädigungen sein, z.B. bei Rheuma, Krebs etc. Von chronischen Schmerzen sprechen Fachleute, wenn der Schmerz mindestens drei bis sechs Monate besteht und die betroffenen Patienten physisch (Mobilitätsverlust und Funktionseinschränkung), psychisch – kognitiv (Befindlichkeit, Stimmung und Denken) und sozial beeinträchtigt sind.

Chronische Schmerzustände brennen sich förmlich im zentralen Nervensystem ein, d.h. je länger ein Dauerschmerz anhält, desto empfindlicher wird das Nervensystem und reagiert oft schon auf feinste Berührungen. Das sogenannte Schmerzgedächtnis bildet sich heraus. Das körpereigene Endorphinsystem (die sogenannte Schmerzkontrolle) kann das Geschehen nicht mehr genügend dämpfen und kontrollieren.


Ein Teufelskreis beginnt!

Die Betroffenen laufen von Arzt zu Arzt in der Hoffnung, Erleichterung zu finden…oft ohne Erfolg.

Letztendlich „landen“ diese Patienten oft in Psychotherapie.

 
Das ist meine allerschlimmste Erfahrung:
Der Schmerz macht die meisten Menschen nicht groß, sondern klein.
Christian Morgenstern

Was hat die Psyche mit körperlichen Schmerzen zu tun?

 

Wenn sich Schmerzen chronifizieren kann es hilfreich sein, auch nach den Lebensumständen des Betroffenen zu schauen.

Wie oft erklären sich Rückenschmerzen durch einen zu stressigen Job oder einer kriselnden Beziehung? Wer kennt nicht das Phänomen, permanent unter Atemnot zu leiden, wenn ich einen autoritären Chef habe. Oder Herzschmerzen zu bekommen, wenn ich immerzu meinen Sehnsüchten entgegenarbeite? Man könnte unendlich viele weitere Beispiele aufzählen.

Auch unsere Sozialisation spielt eine große Rolle

  • Bin ich geschlagen worden?
  • Musste ich oft in einer demütigenden Haltung verharren?
  • Hatte ich kaum Spielraum, mich zu verwirklichen?
  • Habe ich keine Unterstützung für mich bekommen und musste mich stattdessen schon früh um andere kümmern?

Die Liste scheint schier endlos…..

All diese Komponenten spiegeln sich in unserem Körper wieder.

Wenn ich z.B. als Kind nie die Möglichkeit gehabt habe mich aufzurichten, für mich einzustehen und von meinen Eltern unterstützt worden zu sein, so wird mein Körper in einer Haltung verharren, die eher einem alten Menschen entspricht, nämlich nach vorne geneigt und den Kopf eher „eingezogen“ wie bei einer Schildkröte.

 

Folgen von Unfällen, Operationen

Auch Unfälle, Operationen, Gewalterlebnisse manifestieren sich im Körper. Bei einer Operation z.B. ist zwar das Bewusstsein betäubt, aber der Körper registriert alles, was mit ihm geschieht…..und speichert dies in sich ab.

Nach den Op`s ist es häufig so, dass der Körper sich gerne abreagieren möchte (den Schock über Abzittern ausleiten – siehe Trauma), diese physiologische Reaktion aber häufig durch Medikamente unterbunden wird. Und so bleibt diese schmerzliche Erfahrung im Körper stecken und zeigt sich auf allen möglichen schmerzlichen Ebenen. Kein Wunder, dass der Zusammenhang mit einer Operation nicht mehr herstellbar ist.

In der Körpertherapie oder Körper-Psychotherapie ist dies aber möglich, da der Körper diese Information gespeichert hat.



Schmerzen als „Gefühlserlebnis“

 

Stell dir vor, ein Kind fällt auf seine Knie und schürft sie sich auf. Was passiert? Es wird einen Blick zu Mama werfen und schauen, wie sie reagiert. Wird sie auf den Schmerz eingehen und in bemitleidenswerte Gefühle ausbrechen oder wird sie einen Blick darauf werfen und das Kind auffordern, einfach weiterzuspielen….

Diese Reaktion ist entscheidend für dich als Erwachsener, wie du mit Schmerzen umgehst. Für ein und dieselbe Verletzung geben verschiedene Probanden auf einer Skala von 0-10 sehr unterschiedlichen Empfindungen an, je nachdem, wie viel Wert und Aufmerksamkeit sie den Schmerzen widmen.

 

Unterdrückung von Schmerz

 

Im Laufe unserer Entwicklung hat sich das Frühwarnsystem Schmerz immer weiterentwickelt. Es hat sich so sehr verfeinert, dass es sogar in der Lage ist, Schmerzen vorübergehend auszuschalten.

Nervenzellen von Rückenmark und Gehirn tauschen dabei Botenstoffe aus und hemmen sich gegenseitig – manchmal so stark, dass ein Mensch in einer Gefahrensituation nichts von einer gerade entstandenen Verletzung merkt, sondern erst später, wenn sich die Situation beruhigt hat. In einer Not- oder Fluchtsituation kann diese Reaktion einer Schmerzunterdrückung unter Umständen lebensrettend sein.

Wir alle kennen diese Situationen von Autounfällen, bei denen Schwerverletzte sich noch frei bewegen können und sogar ein gebrochenes Bein sie nicht davon abhält.

 

Bedeutung von Körper-Psychotherapie bei Schmerzen

 

Wie schon erwähnt, befasst sich die Körper-Psychotherapie unter anderem auch mit den Geschehnissen, die dem Körper widerfahren sind ( Unfälle, Operationen, traumatische Erlebnisse etc.)

Es geht darum, auf die Zeichen und Signale des Körpers zu hören und dementsprechend Techniken anzuwenden, die es dem Körper möglich machen, Erlebnisse zu integrieren. Das bedeutet nicht, dass alle „schlimmen“ Erfahrungen noch einmal durcherlebt werden müssen, sondern es geht vielmehr darum, dem Körper Möglichkeiten aufzuzeigen, wie er mit „neuen“ Erfahrungen die „alten“ überschreiben kann.

Dies wird das Einordnen von Schmerzen erleichtern und gegebenenfalls diese lindern oder gar ganz verschwinden lassen.

Ein Videointerview zum Thema Schmerz

Hier interviewe ich meine Kollegin Sigrid Plate, Osteopathie und Psychotherapie.  Wundere dich nicht über das Intro – dieses Interview habe ich ursprünglich für die Seite www.traumaheilung.de gemacht.

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