Was mache ich eigentlich mit meiner Wut? Was ist Wut, was ist Aggression? 

Wenn wir an Wut denken, dann sehen wir die Welt aus unserer Perspektive. Die wenigsten Menschen haben das Gefühl, dass sie selbst einen Streit verursacht haben. Meistens sehen wir uns in der Perspektive, dass wir reagieren, auf etwas, das jemand anderes macht. Wir denken, dass wir uns wehren und verteidigen. Das ist natürlich die viel schönere Perspektive als „Ich verursache den Konflikt“ oder „ Ich habe wohlmöglich etwas getan, das die andere Person aufregt“. Wie ist nun also ein guter Umgang mit Wut?

Wut entsteht, wenn ich mich angegriffen fühle 

Der Impuls ist dann, wieder eine Grenze herzustellen. Da sind schon die ersten schwierigen Entscheidungen zu treffen. Macht mein Gegenüber überhaupt grade etwas, das verletzend für mich ist? Subjektiv reagiere ich darauf, klar – also greift mich mein Gegenüber an! Auf der Metaebene kann es aber auch sein, dass ich einfach etwas falsch interpretiere. Vielleicht sagt jemand etwas darüber, wie er oder sie die Situation empfindet und ich schiebe das ganze durch meinen Interpretationsfilter und erlebe das als Angriff, oder unberechtigte Kritik oder ein zu nahe Treten.

Luftholen und Durchatmen

Es bietet sich immer an, eine Pause zwischen Reiz und Reaktion zu machen und einmal nachzufragen: „Wie ist das denn gemeint? Ich merke ich springe an. Könntest du mir bitte genau sagen, wie du das meinst?“ Manche Dinge klären sich an der Stelle schon, auch wenn es überhaupt keine einfache Übung ist. Der Vorteil ist, dass ich eventuell merke, dass ich in Situationen wütend werde, die überhaupt nichts mit meinem Gegenüber zu tun haben.

Viele Menschen sitzen in einem Flucht- und Angriffsmodus, weil sie so gestresst sind und dann reagieren sie einfach nur noch 

Was ist deine Geschichte mit Wut? Lange war Wut immer verboten. Dann kam eine Zeit im letzten Jahrhundert wo sogar TherapeutInnen meinten, die Wut müsse auf eine bestimmte Art raus – da wurden dann Kissen und Matratzen verprügelt. Aus der Neuropsychologie weiß man heute, dass diese Art des Wutrauslassens gar nicht besonders hilfreich ist. Je öfter du die Wut auf diese Art rauslässt, desto tiefer gräbt sich deine „Wutautobahn“ im Gehirn ein und desto anfälliger wirst du dafür, es genauso in Zukunft zu tun, in Situationen, in denen du wütend bist.

Unterdrücke deine Wut nicht – lasse sie zu

Die Wut in dir will gesehen und anerkannt werden. Dafür muss sie gefühlt werden und dann entschieden werden: „Wofür nutze ich meine Wut jetzt?“. Wut lässt sich wunderbar benutzen um eine Grenze zu ziehen. Um z.B zu sagen: „Das möchte ich nicht!“, „Stopp! Bis hierher und nicht weiter!“ Oder „So möchte ich nicht behandelt werden!“ Das sind alles Grenzen, die wir setzen können. Was wir allerdings oft machen, wenn wir wütend sind, ist dass wir angreifen.

Wir holen zum Angriff aus

Wir sagen nicht nur „Stop! Hier ist eine Grenze“ sondern auch gerne mal „Was bildest du dir ein?“  Oder wenn es ganz übel kommt, beschimpfen oder beleidigen wir den anderen. Das hat dann nichts mehr mit Grenzen ziehen zu tun und oft eskalieren solche Situationen dann. Es gibt einen klaren Unterschied, Wut zu nutzen als Energie um Grenzen zu setzen oder Wut zu nutzen um jemanden anzugreifen.

Aggressionen und Wut gehören zum Menschsein dazu

Wie gut ist der Umgang mit meiner Wut und meiner Aggression? Im Idealfall beherrscht nicht die Wut mich, sondern andersherum. Sie ist ein Teil von mir und ich kann immer eine Pause zwischen Reiz und Reaktion einlegen. Sperr deine Wut nicht weg. Das was viele Menschen, besonders Frauen aber auch immer mehr Männer machen, ist ihre Wut und Aggression einfach wegzudrücken.  Aus Angst Täter oder Täterin zu werden, aus Angst jemanden zu verletzten, weil sie genau wissen, welchen Schaden Wut und Aggression anrichten können. Sie wollen damit nichts zu tun haben. Das ist leider kein guter Weg, weil die Wut es oft schafft sich trotzdem an einigen Ecken einen Weg zu bahnen. Manche flippen auch ab und zu einfach aus.

Meine Empfehlung ist, sich mit der eigenen Wut auseinanderzusetzen. Zu schauen, woher kommt denn die alte Wut, wie ist sie entstanden, wie kann ich sie für mich nutzen?


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